freeze the P I C T U R E
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SOMETIMES I WISH THAT I COULD FREEZE THE PICTURE ...



| Ein Blümchen für Nesselchen |
Ich weiß gar nicht mehr wie es dazu kam, jedenfalls hab ich Ness versprochen, dass ich diese Storie für sie schreib. x3

1. Kapitel
„Und wieder einmal brachen Tokio Hotel Gesternnacht hunderte von Mädchenherzen. Die Halle war bis auf den letzten Platz ausverkauft und ausnahmslos jeder der 12000 Zuschauer konnte beim Lied ‚Schrei’ mitsingen.
Vielleicht erratet ihr die besondere Überraschung, die wir euch vor einigen Tagen versprochen haben schon. Nein? Dann wartet noch etwas ab, wir werden es nach dieser kleinen Werbepause enthüllen.“
Der Moderator im Fernsehen lächelte in die Kamera. Seine weißen Zähne blitzen auf, als die Scheinwerfer darüber fuhren. Winken, still stehen und einfach lächeln, die erste Regel in der Sendung. Jeder, der jemals in Lifetime moderiert hatte, wusste sie auswendig, ja lebte sie schon fast. Ebenso war allgemein bekannt, dass nichts ohne Werbung ging. Je mehr Werbepausen, desto mehr Geld. Und in Lifetime gab es eine Menge Werbung und natürlich auch eine Menge Geld.
Allerdings wusste niemand, dass genau in dem Moment, in dem das Wort „Werbepause“ aus dem Fernseher getönt war, viele Kilometer vom Studio entfernt ein greller Schrei durch ein ansonsten ruhiges und gemütliches Haus geklungen war.
„Was soll das denn? Dieser dumme Fernseh-Sender will mich nur ärgern ... Och nöö!“
Missmutig wurde die Fernbedienung auf den Boden geknallt. Mit einem lauten Klong, das die Spatzen vor dem Fenster aufschreckte, landete sie auf dem Parkett-Boden.
In diesem Moment klingelte das Telefon.
Sonja ruft an
307783

stand auf dem Display.
Der Höhrer wurde abgenommen.
"Was willst du?" Missmutigkeit und schlechte Laune troff aus der Stimme wie Gift. Am anderen Ende der Leitung war ein leises Lachen zu hören.
"Was für eine Begrüßung! Ja, Ness, ich freu mich auch von dir zu hören und mir geht's super, danke der Nachfrage und hey, Ness... hab dich auch lieb!" Ness seufzte laut. Ok, das war vielleicht eine etwas unhöfliche Begrüßung gewesen, aber sie wusste, dass Sonja das nicht ernst nehmen würde. Dafür kannten sie sich einfach zu gut.
Schon in der Grundschule waren sie in die Paralellklasse des anderen gegangen, aber richtig kennengelernt hatten sie sich erst in der 5. Klasse. Von da an waren sie dann aber auch die besten Freundinnen gewesen und inzwischen wurden sie manchmal sogar schon als eine Person gesehen.
Das war oft lustig, konnte aber auch schon mal nervig werden, denn beide hatten einen völlig unterschiedlichen Geschmack. Sonja liebte lila, Ness hasste lila. Sonja aß am liebsten Crêpes, Ness bekam davon das kotzen. Dieser eine, perfekt aussehende, hübsche, viel zu nette Musiker, den Ness sooooo toll fand (auch wenn sie ihn eigentlich gar nicht kannte), war in Sonjas Augen einfach nur hässlich. Und der größte Unterschied: Ness war der Meinung, dass Tokio Hotel die absolut beste, erfolgreicheste und anbetungswürdigste Gruppe auf dem Planeten war. Sonja fand das nicht.
"Was ist denn los?", erklang es aus dem Höhrer.
"Ich guck gerade Fernsehen", meinte Ness nur knapp.
"Achso. Wieder dein Verliebt in Berlin?"
"Nein. Das ist seit einem halben Jahr zu ende."
"Oh... "
Unwillkürlich musste Ness lachen. Ihre Freundin war manchmal schon etwas verplant. Aber bei ihrem Terminkalender, durfte man ihr das ab und zu schon mal zugestehen. Ness hätte nie gedacht, dass es einen Menschen auf der Welt gab, der noch beschäftigter war als Sonja. Aber tatsächlich hatte sie vor zwei Jahren, als sie in die Oberstufe gekommen war, jemanden kennengelernt, der sogar noch weniger Zeit hatte: Marie. Um mit Marie an einem Nachmittag spontan shoppen gehen zu können, musste man sich mindestens eine Woche vorher anmelden. Und selbst dann hatte man keine Garantie, dass sie einen nicht für den ein Konzert oder den Klarinettenunterricht doch noch versetzte. Bei Sonja standen die Pferde an erster Stelle, bei Marie die Klarinette. Ness fühlte sich mit einem mal ungeliebt und allein gelassen. Aber vielleicht entsprang dieses Gefühl auch nur der Tatsache, dass sie seit drei Tagen ganz allein im Haus war.
Ihre Eltern hatten eine Einladung von Verwandten bekommen, die ihre Diamantene Hochzeit feiern wollten und waren spontan und etwas überstürzt losgefahren. Ness' Bruder Marius (oder Rina, wie sie ihn immer nur nannte) hatten sie mitgenommen. Jetzt fand sich Ness ganz alleine in dem geräumigen Haus wieder und musste zusehen, dass sie sich nicht nur von Fastfood und Kelocks ernährte.
Während Ness so vor sich hingrübelte erzählte Sonja ihr am Telefon von ihren jüngsten Erlebnissen auf der Rennbahn. Ihre Stimme klang resigniert, anscheinend hatte etwas nicht so gut geklapp wie sie es sich vorgenommen hatte. Ness wusste wie sehr sie das hasste, denn Sonja war bei allem was sie machte auch noch sehr ergeizig.
"... aber zum Glück konnte ich ihn so gerade noch festhalten, obwohl sich meine Arme jetzt wie Gummi anfühlen."
"Schhhhht!"
"Was?"
"Sei mal leise ... "
Ness starrte auf den Fernseher vor ihr. Gerade war die Werbung vorbei und der Monderator von Lifetime meldete sich wieder zurück.
"So da sind wir wieder", ertönte es aus dem Fernseher, "Ich hatte euch versprochen das Geheimnis um die Überraschung zu lüften und das werde ich auch in wenigen Sekunden tun. Aber vorher hören wir noch kurz in die neue Single der angesagtesten Teeni-Band des Jahres rein. Hier sind Tokio Hotel mit Blümchen!"
Ein leises Gitarren-Solo drang aus den Lautsprechern des Fernsehers. Dann kamen der Bass und die Drums dazu und schießlich setzte Bill mit dem Gesang ein. Wie gebannt starrte Ness auf den Bildschirm.
"Hallo ... ? Ness ... ? Bist du noch da ... ?"
"SCHHHHHT!"
Ness bekam nur am Rande mit wie Sonja irgendetwas von 'Hässlicher Vogel' und 'Mädchen' murmelte, aber darauf achtete sie nicht weiter. Die würde es schon vertragen, wenn sie einmal ein paar Minuten warten musste.
Das Lied neigte sich langsam dem Ende und das Gesicht von Bill wurde in Großaufnahme gezeigt. Die Kamera schwenkte wieder zum Moderator.
"Wir begrüßen nun ganz herzlich Bill von Tokio Hotel bei uns im Studio."
Klatschen und Johlen im Publikum.
"Bill, worum genau geht es in dem Lied?"
Bill schlug die dünnen Beine übereinander und stütze die Hände auf die weichen Sofapolster auf denen er saß. Seine langen, gestylten Haare verrutschten nicht einen Zentimeter als er den Kopf nachdenklich zur Seite kippte. Ein Beweis, wie gründlich seine Stylisten mit dem Haarspray umgingen.
"Es geht um die Frage, wem du deine Liebe und dein Leben schenken solltest und wer sie auch wirklich verdient hat. Dafür steht das Blümchen, das in dem Lied verschenkt wird."
"Da habt ihr euch ja mal wieder viel Mühe gemacht mit dem Lied", bemerkte der Moderator und strahlte ihn mit blitzenden Zähnen an, "Und wie steht es bei dir momentan mit der Liebe?"
Bill schüttelte den Kopf. "DIE Liebe hab ich noch nicht gefunden."
Unter den weiblichen Zuschauern ging ein Gemurmel um, das den Moderator nur noch breiter grinsen ließ.
"Was noch nicht ist, kann ja noch werden. Vielleicht möchtest du unseren Zuschauern hier und vor dem Fernseher Zuhause jetzt die Überraschung verkünden?"
Bill nickte und wandte sich an die Kamera. "Ihr habt euch alle ganz tolle Fragen überlegt und sie per Videobotschaft an uns geschickt. Wir werden jetzt zufällig eine auswählen und dieser glückliche jemand hat die Möglichkeit mit einem Freund oder einer Freundin zu unserem nächsten Konzert nach Las Vegas zu fliegen und uns persönlich zu fragen. Und natürlich sind zwei Konzertkarten und Backstagepässe auch mit dabei, genauso eine Unterkunft mit Verpflegung und Hin- und Rückflug. Ihr müsst euch also eigentlich um gar nichts mehr kümmern."
Ness seufzte leise. Wei verdammt geil wäre es, wenn sie diese jemand wäre. Aber wie groß war die Chance schon bei so etwas zu gewinnen? 1 : 1.000.000? Ach was, 1 : 5.000.000 traf es schon eher.
Missmutig ließ sie sich tiefer in die Kissen ihres Schlafsofas sinken und starrte auf den Fernseher während in der Show ein Gewinner-Video ausgelost wurde und auf dem Bildschirm erschien.
"Hallo ihr vier... ", drang eine zarte Stimme aus den Lautsprechern, "Ich bin Vanessa und das hier ist Theo und wir haben folgende Frage ... "
Zwar war der Ton nicht sonderlich laut, aber trotzdem dröhnte die Stimme, die durch den Raum klang wie Trommelschläge in Ness' Ohren. Sie saß stocksteif da, unfähig sich zu bewegen, das Telefon noch ans Ohr gedrückt.
"Öhm ... Ness ... Du bist ... " Sonjas Stimme verlor sich und es folgte Stille, nur unterbrochen von ihrem Video das gerade im Fernsehen lief.
"Oh. Mein. Gott ... Ness? Du bist im Fernsehen ... " Wie Nebel drangen die Worte ihrer Freundin in ihr Gehirn und lösten dort ein Zittern aus, das sich über ihren ganzen Körper ausbreitete. "Näääääääääääss! Du hast gewonnen! Oh mein Gott! Du hast wirkich gewonnen!" Vor Aufregung wurde aus dem 'e' in 'Ness' ein 'ä'. Eigentlich hätte sie sich darüber geärgert, aber jetzt gerade war ihr das völlig egal.
"Sonja! Das war mein Video! Sonjaaa! Das war meins! Wir fahren nach Vegas, wir sehen Bill und können mit ihm reden und ihn anfassen und ... Sonja! Ich hab gewonnen!"


2. Kapitel
-folgt-